Der größte deutschsprachige Dramatiker des 20. Jahrhunderts hat auch Tagebücher geschrieben - und was für welche! Ein wilder Mix aus augenblicklichen Frauengeschichten, Freizeitaktivitäten mit Kumpels, Gedanken zu seinen zahlreichen Werken, den Vorbedingungen für das Schaffen von kleiner und großer Kunst, natürlich schwerpunktmäßig hinsichtlich seiner Bühnenstücke. Zwischendurch gewürzt mit elegant-burlesken Liedtexten und kurzen Gedichten. Immer gesellschaftskritisch und durch eine Hassliebe mit Deutschland verknüpft, dessen Bürger mit ihrer Biederkeit und ekelhaften Fahnentreue, aber eben auch mit Tiefgang und Herz Brecht gleichermaßen rasend machen und berühren. Die außergewöhnlichsten Stellen sind aber die, in welchen Brecht seinen intuitiven Gedankenspielchen nachkommt und dabei das Momentum seines Genies aufblitzt bspw. im vorliegenden Teil als er Jesus als herumvagabundierenden Arbeitslosen, der Gelegenheitsdialoge mit Dornenbüschen hält, beschreibt.