In Frau Perfecta (1876) zeigt Galdós den Zusammenstoß liberaler Vernunft mit klerikalem Traditionalismus in Orbajosa, einer erstickenden Provinzstadt. Der Ingenieur Pepe Rey reist zu seiner Tante Doña Perfecta, um ihre Tochter Rosario zu heiraten; unter den Intrigen des Kanonikus Don Inocencio kippt Gastfreundschaft in Verfolgung. Realistische Genauigkeit, costumbristische Milieuschilderung und ironischer Erzählerkommentar legen Fanatismus, Ehrbegriff und Caciquismo bloß - bis an den tragischen Kipppunkt. Benito Pérez Galdós (1843-1920), Hauptvertreter des spanischen Realismus, verband journalistische Beobachtung mit parlamentarischer Erfahrung. Als liberaler Abgeordneter und Autor der Episodios Nacionales verfolgte er das Ringen Spaniens um Säkularisierung und Bürgerlichkeit. Seine frühen "novelas de tesis", zu denen Frau Perfecta zählt, erwuchsen aus dem Impuls, ideologische Erstarrung kritisch zu prüfen und die soziale Psychologie der Provinz - ihre Ängste, ihr Stolz, ihre Machttechniken - offenzulegen. Wer die Verflechtung von Religion, Politik und Gefühl im Spanien des 19. Jahrhunderts verstehen will, findet in Frau Perfecta eine alarmierend aktuelle Fallstudie. Für Leserinnen und Leser von Fontane, Balzac oder Clarín: ein präzise komponierter Roman, der analytische Strenge mit Spannung verbindet und zeigt, wie lokale Moral zur nationalen Frage wird - ein lehrreicher, bewegender Einstieg in das Werk von Galdós.
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.