Einleitung
Katharina die Große, geborene Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, war Zarin von Russland. Schon zu Lebzeiten bekam sie den Titel "die Große", aber wie "groß" waren ihre Verdienste wirklich und wie "aufgeklärt" war sie? Sie war mit den Ideen der französischen Aufklärer vertraut und bemühte sich, das Land zu reformieren. Andererseits wollte sie ihre absolutistisch-zentralistische Regierungsweise aber nicht aufgeben, weshalb sie die Reformen nur beschränkt umsetzte, um ihre Regierungsart nicht zu gefährden.
Karl Otmar von Aretin bemerkt dazu: "Der Aufgeklärte Absolutismus - so würde ich es formulieren - bezeichnet eine Phase in der Entstehung des modernen Staates, die Länder befähigte, sich aus ihrem vormodernen Status heraus weiterzuentwickeln. Die durchgeführten oder vorgesehenen Reformen unterschieden sich von denen des Absolutismus in erster Linie dadurch, dass sie alle Bereiche des Staates ergriffen. Mit diesen Reformen ging eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft einher, wie sie vorher nicht festzustellen ist. Der Anteil der Aufklärung lag nicht zuletzt darin, dass er eine Entwicklung auslöste, in der in letzter Konsequenz aus dem Untertan ein Bürger werden sollte. Es ging im Aufgeklärten Absolutismus jedoch nicht nur um eine Intensivierung des Staates. Die Glückseligkeit der Untertanen, als Ziel der Reformen, war ein neues, an aufgeklärten Ideen ausgerichtetes Ideal dieser Reformen. Der Staat als Rechtsstaat, der sich um das Schicksal seiner Bürger zu bekümmern hat, taucht in diesen Reformen auf."
Die Aufklärung leitete im Grunde den Aufstieg des Bürgertums ein. Da ein solches in Russland aber nicht vorhanden war, musste sich Katharina auf den Adel stützen. Der Grundstock zu ihrer Auffassung von Aufklärung wurde stark von ihrer Kindheit und der Zeit als Großfürstin bestimmt.
[...]