Das Gilgamesch-Epos, in der deutschen Fassung Albert Schotts, erschließt einen der ältesten dichterischen Texte der Weltliteratur: die Suche des Königs von Uruk nach Ruhm, Freundschaft, Erkenntnis und Unsterblichkeit. In feierlich konzentrierter Sprache treten mythische Erzählung, Klage, Weisheitsliteratur und Herrscherkritik zusammen. Die Begegnung Gilgameschs mit Enkidu, der Tod des Freundes und die vergebliche Reise zu Utnapischtim machen das Werk zu einem Grundtext über menschliche Endlichkeit im altorientalischen Kontext. Albert Schott war ein deutscher Altorientalist, dessen philologische Arbeit aus der intensiven Beschäftigung mit Keilschrifttexten, akkadischer Sprache und mesopotamischer Kultur hervorging. Seine Übertragung ist nicht bloß literarische Aneignung, sondern Ergebnis wissenschaftlicher Rekonstruktion fragmentarisch überlieferter Tafeln. Gerade diese Verbindung von sprachlicher Genauigkeit und erzählerischem Sinn erklärt, weshalb Schotts Fassung lange als maßgeblicher Zugang zum Epos gelten konnte. Empfohlen sei dieses Buch allen, die den Ursprung großer erzählerischer Motive kennenlernen wollen: Freundschaft, Verlust, Hybris, Weisheit und die Grenze des Menschen. Es bietet zugleich Lektüregenuss und historische Erkenntnis. Wer Homer, die Bibel oder antike Mythologien liest, findet hier einen älteren Resonanzraum, dessen Fragen bis heute erstaunlich gegenwärtig bleiben.
Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern.
- Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.
- Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
Dieses eBook: "Das Gilgamesch-Epos" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen.
Gilgamesch, der Held der Geschichte, ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch. Er besitzt außergewöhnliche physische Kräfte, wird als furchtloser und ungehobelter Tatmensch geschildert und herrscht als König in Uruk. Sein despotischer Regierungsstil und die bedrückenden Lasten, die mit seinen Bauprojekten verbunden sind, führen insbesondere zur Verärgerung der Frauen von Uruk, die sich bei der Göttin IStar beschweren. Um den Herrscher zu bändigen, erschafft die Muttergöttin Aruru gemäß der Anordnung des Himmelsgottes An, Vater der IStar, aus Lehm Enkidu, der zunächst als wildes, menschenähnliches Wesen in der Steppe bei Uruk mit den Tieren der Wildnis zusammenlebt. Gilgamesch erhält mittels zweier Träume Kenntnis von Enkidu. Gilgameschs Mutter Ninsun, Traumdeuterin und Wissende der Zukunft, weist Gilgamesch auf die bevorstehende Ankunft des Enkidu in Uruk hin, der später sein Bruder werden wird. Gilgamesch ist von Ninsuns Mitteilung erfreut und erwartet ungeduldig die Ankunft Enkidus.